kafkas zimmer am 4.10.1911
Animationsfilm (2011)
3 min 30 sec
Idee und Ausführung: Susanne Wiegner
Sprecher: Helmut Becker
Filmische Umsetzung einer Tagebuchstelle von Franz Kafka vom 4.10.1911, in der er sein Zimmer im Dunkeln ohne eigene Beleuchtung auf ganz genaue, fast wissenschaftliche Weise beschreibt. Die Kamera übernimmt die statische Position des Betrachters im Raum und fängt mit minimalen Bewegungen und Annäherungen die beschriebenen Farbverläufe, die Überlagerungen der Schatten und Glanzpunkte, die Veränderungen der räumlichen Situation durch das Licht ein. Um den statischen Charakter zu verstärken, bleiben bestimmte Einzelbilder im Hintergrund eingeblendet, während der Film weiterläuft. Dies nimmt eine Überlegung Kafkas zum Friedländer Kaiserpanorama aus dem gleichen Jahr auf: "Die Bilder lebendiger als im Kinematographen, weil sie dem Blick die Ruhe der Wirklichkeit lassen. Der Kinematograph gibt dem Angeschauten die Unruhe ihrer Bewegung, die Ruhe des Blickes scheint wichtiger. Glatter Boden der Kathedrale vor unserer Zunge. Warum gibt es keine Vereinigung von Kinema und Stereoskop in dieser Weise." (Reisetagebuch Friedländer Reise, Jänner 1911)
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